Kein leichter Einsatz – eine Feuerwehrgeschichte

Wir berichten ja nur sehr selten über Einsätze unserer Feuerwehr. Einfach weil wir nicht einfach Neugierde hier befriedigen wollen oder Schaulustigen eine Bühne bieten. Manchmal aber machen wir eine Ausnahme – auch um Euch zu zeigen, was die Männer und Frauen unserer Feuerwehr so leisten. Zum Beispiel bei Einsätzen, die speziell sind. In dem Fall ein Sucheinsatz wegen einer vermissten Person.

Bestimmt haben viele davon gelesen. Der Sucheinsatz in den letzten Wochen, der auch in vielen Medien ein Thema war. Auch unsere Feuerwehr war dabei. Einen Bericht über den Einsatz und einige Bilder haben wir heute für Euch zusammengestellt. Aber auch ein kleines Interview mit unserem Moosdorfer Kommandanten Wolfgang Stockinger, darüber wie es der Mannschaft bei solchen Einsätzen geht. Und wie man das verarbeitet – insbesondere wenn es wie in diesem Fall nicht gut ausgeht und der Gesuchte nicht mehr lebend gefunden werden kann.

Zunächst einmal ein Bericht über den Einsatz, den uns freundlicherweise die FF Ostermiething zur Verfügung gestellt hat:

Text: FF Ostermiething / Fotos FF Moosdorf

10 Stunden Sucheinsatz ohne Erfolg

Um kurz nach 9 Uhr erhielt unser Kommandant (gemeint: Ostermiething – Anm. der Redaktion) über den Abschnittsfeuerwehrkommandanten (AFK) die Nachricht, dass in Kürze eine Alarmierung zu einer weitläufigen Suchaktion erfolgen wird. Unser Auftrag war die Zurverfügungstellung des Bereitstellungsraumes und des Kommandoraumes für die Einsatzleitung. Die Organisation und Leitung des Einsatzes der Feuerwehr erfolgte durch AFK Stegbuchner mit der EFU-Einheit. Die Gesamteinsatzleitung hatte die Polizei.

14 Feuerwehren mit rund 150 Personen, Rettungshunde der Österreichischen Rettungshundebrigade und des Roten Kreuzes suchten mit Unterstützung durch einen Polizeihubschrauber und mehrerer Drohnen in mehreren Gemeinden nach einem älteren, aus Franking stammenden Mann, der mit einem schwarzem E-Bike unterwegs war. Da das Handy des Gesuchten aus unbekannten Gründen nicht funktionierte und wenig Anhaltspunkte zur Verfügung standen, handelte es sich sprichwörtlich um eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen, welche leider erfolglos blieb. Unser Einsatz wurde nach 10 Stunden beendet. Gefordert war auch die Fleischhauerei Schuster, sie musste während des laufenden Mittagsgeschäfts auch noch die Verpflegung in Form von z.B. Wurstsemmeln für die gesamte Mannschaft (rund 200 Personen) vorbereiten.

Insgesamt waren aus Moosdorf sowohl Moosdorf als auch Hackenbuch im Einsatz. Insgesamt – wie oben geschrieben – 14 Wehren mit insgesamt 150 Personen standen im Einsatz. Durch die Polizei war bekannt gegeben worden:

82-jähriger Mann abgängig – Polizei bittet um Hinweise

Sumeldung der Polizei im April 2022

Der gesuchte aus Franking wurde am Abend des 13. April 2022 von einer Mitbewohnerin als abgängig gemeldet. Er wurde von ihr zuletzt am 13. April 2022 gegen 14 Uhr zu Hause gesehen und war laut ihren Angaben mit seinem E-Bike im Bereich Franking, Ostermiething, St. Pantaleon, Haigermoos, Ibm, Lamprechtshausen und eventuell Göming unterwegs. Außerdem gab die Polizei natürlich diverse Beschreibungen zur Person und zum Rad an die Bevölkerung und auch an die Feuerwehr. Es bestand von Anfang an der Verdacht eines Unfalles bzw. eines medizinischen Notfalles. Die durchgeführte Großfahndung verlief bis jetzt negativ.

Und das sollte sich leider auch später nicht ändern – bis dann letztlich zur Entdeckung der abgängigen Person in leblosem Zustand.

Darum haben wir Wolfgang Stockinger, den Moosdorfer Kommandanten, ein paar Fragen zu diesen Einsätzen gestellt. Und das erste was er uns dazu sagte war:

Das sind keine leichten Fragen für die Feuerwehr

Wie geht es euch bei so einem Einsatz, wo ja doch große Ungewissheit herrscht ob und was man findet?

Wie es uns so geht bei solchen Einsätzen? Wir werden schon im Feuerwehrhaus beim Umziehen informiert was auf uns so zukommt – über eine Textnachricht über Bildschirm in der Umkleide. Da kann sich jeder für sich selbst einen gewissen seelischen Schutz aufbauen. Bei einer Suchaktion geht man am Anfang nicht vom schlimmsten aus. Man ist noch immer positiv eingestellt, dass man die vermisste Person lebend findet. Natürlich ist auch das Druck – denn bei solchen Einsätzen spielt die Zeit immer eine große Rolle. Umso schneller man die vermisste Person findet, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit das die Person noch lebt. Wobei allen klar ist, dass das auch von der Jahreszeit und der Witterung abhängt.

Wie bereitet ihr Euch im Rahmen von Übungen auf genau solche menschlich sehr herausfordernde Einsätze vor?

Es  ist schwierig so einen Einsatz im Rahmen einer Übung zu vermitteln. In erster Line ist es wichtig, dass man der Mannschaft und den Aktiven das Gefühl gibt: Du bist in der Situation nicht allein. Und das man selbst immer für die Kameraden und Kameradinnen da ist. Es ist wichtig, dass man bei solchen Einsätzen die wirklich auch an die Nieren gehen können sich nicht alleine fühlt. Egal ob nun Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person oder auch bei solchen Suchaktionen – wo man ja bei jeden Schritt im Gelände die Person entdecken kann.

Wie geht die Feuerwehr intern – also innerhalb eures Zusammenkommens – mit der Aufarbeitung so eines Einsatzes um?

Es ist immer wichtig das man nach dem Einsatz die Zeit noch findet, um das erlebte mit der Einsatzgruppe zu bereden und das erlebte austauschen zu können Wir nennen das, das sogenannte Einsatz Bier. Dabei geht es eben vor allem ums drüber sprechen.

Gibt es von seiten des Bezirkes oder des Landes hier eigentlich ein Betreuungs-Angebot für die, die so einen Einsatz dann aufarbeiten wollen?

Bei seelischen Belastungen haben wir in der Feuerwehr auf Bezirksebene ein sehr gut ausgebildetes SVE-Team, die bei seelischer Belastung an unserer Seite stehen. Und uns unterstützen in der Verarbeitung von solchen Einsätzen.

Danke Wolfgang für Deine Antworten. Und wir wünschen euch und allen anderen Feuerwehren möglichst wenig solcher Einsätze mit dieser Art von persönlicher Belastung.

Landung Polizeihubrschauber gefilmt durch die FF Moosdorf

Moosdorf Live

Mein Name ist Christian Spanik. Ich bin der Moosdorfer Dorfchronist und verantwortlich für Inhalte und Konzepte der Moosdorfer Gemeindemedien wie Moosdorfer Bote, Moosdorf Live auf Facebook und Moosdorf Live im Internet unter der Adresse www.moosdorf.net

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